Mühlen und Handwerk

Früher gab es auf dem Land viele Mühlen. Die Mechanik des Mahlwerks mit den vielen Achsen und den schweren Mahlsteinen war genau durchdacht. Die Windmühlen standen auf Anhöhen, während die Wassermühlen hinter Abhängen und an Mühlenteichen und Wasserläufen lagen.

Die Bauern waren verpflichtet, ihr Getreide auf bestimmten Mühlen zu Mehl mahlen zu lassen. Eine Fahrt zur Mühle nahm oft den ganzen Tag in Anspruch. Man musste warten, bis das Korn gemahlen war, und deshalb nutzte man die Gelegenheit, um Neuigkeiten auszutauschen. Zu einer Mühle gehörte gerne ein landwirtschaftlicher Betrieb, und die Müller waren oft wohlhabend. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurden die Wind- und Wassermühlen nach und nach von Genossenschaften abgelöst.

Handwerk
Die Handwerker, die auf dem Land wohnten, waren oft Häusler, die neben ihrer Landwirtschaft mit ihrem Handwerk Geld verdienten. In fast allen Dörfern gab es eine Schmiede. Der Schmied stellte Werkzeuge her und beschlug die Pferde der Bauern. Die Zimmermänner und Tischler bearbeiteten das Bauholz für die Höfe und stellten Möbel her. Stellmacher bzw. Wagenbauer machten Wagen und Räder, Böttcher Bier-, Butterfässer und Bottiche. Der Drechsler machte Spinnräder und der Holzschuhmacher schnitzte die Holzschuhe, die damals viele Leute trugen. Diese Holzhandwerker gab es nicht in allen Dörfern.

In vielen Dörfern gab es einen Weber, dessen großer Webstuhl viel Platz in seiner Wohnstube wegnahm. Die Schneider etablierten erst um 1900 eigene Werkstätten. Bis dahin zogen sie von Hof zu Hof und führten ihre Arbeit bei den Bauern aus. Es gab auch Schuhmacher auf dem Land, obwohl damals längst nicht alle Schuhe oder Stiefel besaßen.

Die Töpfer hatten Werkstätten. Hier drehten sie auf ihren Töpferscheiben Krüge, Kannen, Platten und Schalen, die in einem gemauerten Ofen gebrannt wurden. Da dieser Brennvorgang viel Holz erforderte, gab es hauptsächlich in waldreichen Gegenden mit gutem Ton viele Töpfer. Im südwestlichen Teil Jütlands gab es viele Frauen, die die charakteristischen „Jydepotter“, also die „Jütentöpfe“, herstellten. Diese Töpfe werden aus Tonwürsten aufgebaut und in einem Meiler gebrannt. Bei diesem sauerstoffarmen Brennvorgang bekommt der Ton seine schwarze Farbe.

Diese Töpferfrauen und die Holzschuhmacher verschwanden Ende des 19. Jahrhunderts. Generell aber stieg die Zahl der Handwerker auf dem Land und in den 50er Jahren gab es dort viele verschiedene Handwerke. Seit den 60ern ist die Zahl der Handwerke rapide zurückgegangen. 

Autor: Museumsinspektor M.A. Gudrun Gormsen