Das Freilichtmuseum Hjerl Hede arbeitet für den Erhalt alter dänischer Haustierrassen. Das Museum hat graugeschecktes jütländisches Vieh, Schafe und Ziegen alter dänischer Landrasse, Gänse, Hühner, Bronzeputen sowie zwei norwegische Fjordpferde.
Im 18. Jahrhundert war der Viehbestand abhängig davon, wie viele Weiden man hatte und wie viel Winterfutter man lagern konnte. Normalerweise gab es auf einem Hof sechs Pferde, vier bis sechs Kühe mit ihren Kälbern, zehn Schafe, ein Schwein oder eine Sau mit Ferkeln sowie Geflügel. Im Laufe des Winters wurde das Futter oft knapp und die Kühe waren im Frühling so entkräftet, dass man sie auf die Weide tragen musste.
Die Einführung von Grassamen und Klee Anfang des 19. Jahrhunderts verbesserte die Situation und führte zu einer Steigerung der Haustierzahl. Die Umstellung der Landwirtschaft auf Milchwirtschaft und Schweinezucht Ende des 19. Jahrhunderts veränderte den Viehbestand radikal.
Der Pferdebestand ging im 19. Jahrhundert stark zurück, teils, weil die Bauern nicht länger zu Frondienst verpflichtet waren und für die Grundbesitzer fahren mussten, und teils, weil die schweren Karrenpflüge von Schwingpflügen ersetzt wurden. In Jütland zog man große, starke Pferderassen wie den Jütländer vor, während man auf den dänischen Inseln kleinere, leichtere Pferderassen bevorzugte. In Heidegegenden verwendete man Ochsen als Zugtiere.
Das beste Vieh in Dänemark gab es im nordwestlichen Jütland in der Gegend um den Limfjord. Die graugescheckten Rinder waren gute Milchkühe aber auch gute Fleischrinder. Deshalb zog man viele Ochsen groß. Man verkaufte diese Tiere im Alter von 3-4 Jahren an Gutshöfe und große Bauernhöfe. Hier wurden sie den Sommer über gemästet um im Herbst als Fleischrinder auf dem norddeutschen Markt verkauft zu werden.
Schafe und Ziegen sind genügsame Tiere, die man fast das ganze Jahr über im Freien halten kann. Auch Leute aus armen Verhältnissen konnten eine Ziege oder ein Schaf halten. Auf den Höfen hatte man 10-12 Schafe und auf den Heidehöfen im westlichen Jütland bis zu 50. Wolle war eine Handelsware - als Schurwolle, Garn oder Strickwaren, und Schafe waren unentbehrlich für den Haushalt. Außer Wolle und Fellen nutzte man auch deren Milch und Fleisch. Aus dem Schaffett goss man Talgkerzen.
Schweineaufzucht spielte damals keine große Rolle. Manche hatten eine Sau mit Ferkeln. Andere kauften jedes Jahr ein Schwein, das sie zu Weihnachten schlachteten. Nach 1850 begann man an den großen Höfen, Schweine zu importieren und durch Kreuzung Mastschweine zu züchten.
Noch um 1860 hielt man Haustiere primär zur Selbstversorgung. Aber um 1900 wurde der Verkauf von Lebensmitteln wichtiger für die Bauern. Durch systematische Zuchtarbeit bekam man Haustiere, die die vom Exportmarkt nachgefragten Produkte liefern konnten. Ergebnisse dieser Zuchtarbeit waren u.a. die Milchkühe der Rasse Dänisches Rotvieh und die so genannten Baconschweine.
In den Jahrzehnten um 1900 wurden viele bäuerliche Kleinbetriebe etabliert. Viele Häusler schafften sich russische oder norwegische Pferde als Zugtiere an. Diese kleinen Pferderassen - aber auch die großen, schweren Pferderassen wie Oldenburger und Belgier - verschwanden, als die Traktoren nach 1950 die Feldarbeit übernahmen.
Autor: Museumsinspektor M.A. Gudrun Gormsen